Die tote Frau

ICH BIN EINE FRAU.

ICH BIN NICHTS WERT.

SAGT MAN.

Und jetzt, da lieg ich auf dem Asphalt. 
Erschlagen.
Leider.

Ich hab ihn gesehen, den Mann mit der Eisenstange. Sogar 
die Strassenseite hab ich gewechselt. 
Ein Fehler.
Eine Armlänge Abstand, so hätte ich es machen sollen.
 So, wie es die Kölner Oberbürgermeisterin empfohlen hat.
 Vielleicht wäre ich dann noch am Leben.

Ein Fehler meinerseits.

Nein, den Frauennotruf habe ich auch nicht betätigt.
 Wo er doch rund um die Uhr erreichbar ist.
 Hätte ich bloss auf die Wiener Stadträtin und ihre Empfehlungen gehört. 
Vielleicht wäre ich dann noch am Leben.

Ein anderer Fehler meinerseits.

In diesem Moment kommt ein Engel auf mich zu .
„Du, Du hast gar nichts falsch gemacht. Alles hast Du richtig gemacht.
Tut mir leid, dass Du trotzdem tot bist.
Aber fragen, was sie falsch gemacht haben, das müssen sich alle da unten, die Dir so tolle Ratschläge mit auf den nächtlichen Weg zur Arbeit gegeben haben.
Und ALLE anderen auch. Wirklich alle.”

Grosse Erleichterung meinerseits. Da gibt es doch glatt jemanden, für den ich zähle.
Und da fällt mir ein anderer Reim ein.

ICH BIN EINE FRAU.

ICH BIN NICHTS WERT.
GLAUBT IHR.
 

PECH GEHABT.

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